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Wenn Lob seine Wirkung verfehlt

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Inhalt

Wenn Lob seine Wirkung verfehlt

Fast jede Führungskraft ist überzeugt, dass Anerkennung wichtig ist. Gleichzeitig herrscht häufig die Sorge, man dürfe nicht zu viel loben, weil Mitarbeitende sonst anspruchsvoll oder selbstzufrieden werden. Dabei liegt das eigentliche Problem oft gar nicht in der Häufigkeit der Anerkennung, sondern in ihrer Qualität.

Ein Praxisfall darüber, warum wirksame Anerkennung weit mehr ist als Wertschätzung – und weshalb sie Verhalten gezielt stärkt, statt Menschen nur ein gutes Gefühl zu geben.

 

Ausgangssituation

In Führungsseminaren entsteht beim Thema Lob fast immer eine interessante Diskussion. Die meisten Führungskräfte sind sich grundsätzlich einig: Anerkennung ist wichtig. Menschen möchten gesehen werden. Gute Leistungen sollten wertgeschätzt werden.

Und trotzdem folgt häufig ein Satz wie: „Man darf aber auch nicht zu viel loben.“ Oder: „Sonst nutzt sich das irgendwann ab.“ Manche formulieren es noch direkter: „Am Ende denkt der Mitarbeiter noch, er sei etwas Besonderes.“ Oder: „Dann kommt er als Nächstes mit einer Gehaltsforderung.“ Diese Aussagen höre ich regelmäßig. Und jedes Mal wird deutlich, dass dahinter eine bestimmte Annahme steckt:

Lob macht Menschen anspruchsvoll. Doch die eigentliche Frage lautet vielleicht: Was wäre, wenn das Problem gar nicht zu viel Lob ist, sondern die Art des Lobs?

 

Die sichtbare Ebene

In vielen Unternehmen erhalten Mitarbeiter durchaus positives Feedback. Allerdings klingt es häufig so: „Gut gemacht.“ „Super.“ „Danke für Deinen Einsatz.“ „Weiter so.“ Das ist freundlich gemeint. Aber oft bleibt die Wirkung überraschend gering. Warum?

Weil der Mitarbeiter zwar hört, dass etwas gut war. Aber nicht versteht, was genau gut war. Und warum es wichtig war.

 

Der Moment im Workshop

In einem Workshop fragte ich die Teilnehmer: „Wann habt Ihr zuletzt einem Mitarbeiter gesagt, welches konkrete Verhalten Ihr wertvoll fandet und welche Wirkung es hatte?“ Im Raum wurde es still. Viele Führungskräfte lobten durchaus. Doch nur wenige beschrieben konkret, was sie eigentlich anerkennen wollten. Genau dort lag der entscheidende Unterschied.

 

Die eigentliche Herausforderung

Viele Führungskräfte betrachten Lob als Wertschätzung. Das stimmt. Aber Anerkennung kann noch viel mehr sein. Sie ist Orientierung. Sie zeigt Menschen:

Welches Verhalten wurde wahrgenommen?

Warum war es hilfreich?

Welche Wirkung hatte es?

Was sollte häufiger passieren?

Genau deshalb entfaltet Anerkennung ihre größte Wirkung nicht auf das Selbstwertgefühl, sondern auf das Verhalten.

Ein Beispiel

Statt zu sagen: „Gut gemacht.“ könnte eine Führungskraft sagen: „Mir ist aufgefallen, wie ruhig Du gestern im Gespräch mit dem Kunden geblieben bist, obwohl die Situation angespannt war. Dadurch ist das Gespräch sachlich geblieben und wir konnten gemeinsam eine Lösung finden.“

Oder statt: „Danke für Deinen Einsatz.“ eher: „Ich habe gesehen, dass Du die Abstimmung mit dem anderen Bereich übernommen hast. Dadurch konnten wir deutlich schneller entscheiden und haben zwei Tage Zeit gewonnen.“

Plötzlich wird klar: Es geht nicht um Lob. Es geht um Wirkung.

 

Warum Lob manchmal tatsächlich seine Wirkung verliert

Lob verliert selten seine Wirkung, weil es zu häufig ausgesprochen wird. Es verliert seine Wirkung, wenn es beliebig wird. Wenn jede Situation gleich kommentiert wird. Wenn Mitarbeiter nicht erkennen, was genau anerkannt wird. Oder wenn Lob wie eine Floskel wirkt. Menschen sehnen sich nicht nach möglichst vielen Komplimenten. Sie möchten wissen, dass ihr Beitrag gesehen wird.

 

Die eigentliche Erkenntnis

Wirksame Anerkennung macht Menschen nicht überheblich. Sie macht Verhalten sichtbar. Menschen werden nicht anspruchsvoll, weil sie Anerkennung erhalten. Sie werden anspruchsvoll, wenn Anerkennung fehlt und sie das Gefühl haben, dass ihr Einsatz selbstverständlich geworden ist.

 

Was Führungskräfte daraus lernen können

Lob wirkt stärker, wenn es konkret statt allgemein ist. Gute Anerkennung beschreibt Verhalten und Wirkung. Menschen möchten gesehen werden, nicht geschmeichelt. Anerkennung schafft Orientierung. Mitarbeiter lernen aus positiver Rückmeldung genauso wie aus Kritik. Nicht die Häufigkeit entscheidet über die Wirkung von Lob, sondern seine Qualität.

 

Reflexionsfrage

Wann hast Du zuletzt nicht nur gesagt, dass etwas gut war – sondern erklärt, warum es gut war und welche Wirkung es hatte?

 

Anerkennung ist mehr als Wertschätzung

Viele Führungskräfte betrachten Lob als freundliche Geste. Tatsächlich gehört Anerkennung zu den wirksamsten Führungsinstrumenten überhaupt. Denn Menschen orientieren sich nicht nur daran, was kritisiert wird. Sie orientieren sich auch daran, was wahrgenommen, benannt und wertgeschätzt wird.

Wer nur Fehler kommentiert, trainiert Fehlervermeidung.

Wer positives Verhalten sichtbar macht, stärkt genau das Verhalten, das er sich häufiger wünscht.

Deshalb ist Anerkennung kein nettes Extra. Sie ist Führung.